8. Mai 1945

19. November 2014

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung, Chance für Frieden und Demokratie in Europa

In Frankfurt ruft ein Bündnis mehrerer Organisationen zu einem Fest anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung auf.

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg!

8. Mai 2015 – Fest der Befreiung auf dem Frankfurter Römerberg!

Am 8. Mai wollen wir mit allen, die mitmachen*), auf dem Römerberg von 14.00 bis 21.00 Uhr ein Fest der Verständigung und Toleranz feiern, für Frieden, Freiheit und Demokratie, gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus, gegen Fremdenhass und Menschenfeindlichkeit.

Kommt am 8. Mai auf den Römerberg! Macht mit!

*) Bis jetzt machen mit:

DGB, IG Metall, Verdi, Arbeiterwohlfahrt, Bildungsstätte Anne Frank, Jüdische Gemeinde, Naturfreunde, Studienkreis Deutscher Widerstand, Verband der Migrantinnen, Jugend- und Kulturverein, Friedens- und Zukunftswerkstatt, LAGG, Club Voltaire, Förderverein Roma, Gegen Vergessen – Für Demokratie, Initiative 9. November, Carlebach-Club, Gingold-Initiative, VVN-BdA

 Hier ist der Flyer, bitte weitergeben: >> Fest der Befreiung



Die VVN-BdA hat folgende Erklärung  dazu veröffentlicht:

Am 8. Mai wurde ganz Europa von der Geißel des Faschismus befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer_innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Grundlagen unseres Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition geleistet hat. weizaecker_zitat_8mai

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Die deutsche Wirtschaft, allen voran Chemie- und Rüstungsindustrie und Banken waren die Gewinner von „Arisierung“, Krieg und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter_innen. Diese Gewinne bildeten die Grundlage des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik, während die Opfer um jede Mark Entschädigung kämpfen mussten und bis heute kämpfen müssen.

In nahezu allen ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage, das war auch in der DDR der Fall. Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure und Mitläufer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Besatzer. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“.

Damit das so bleibt, fordern wir, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

Wir wissen, dass die Früchte des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Ideologien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur. Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden. Wir sehen mit Sorge, wie unbarmherzig unsere Gesellschaft Flüchtlingen gegenübertritt und gewaltsame Übergriffe duldet. Der rasante Aufstieg neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte in nahezu allen europäischen Ländern verlangt entschiedene Gegenwehr.

Plakat 8. Mai

Plakat 8. Mai

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Krieg führenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens „Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen“ als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Syrien, in der Ukraine und in weiten Teilen Afrikas toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – überall beteiligt. Die Bereitschaft, „deutsche Interessen“ erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Regierung und Bundestag wieder politische Praxis geworden.

Gerade darum wollen wir den Tag zum Feiertag machen, den die Überlebenden als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt haben, wie es der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance-Kämpfer Peter Gingold ausgedrückt hat. Wir wollen am 8. Mai vor allem an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten, so wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben.

In diesem Sinne rufen wir auf: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Diese Erklärung als Flyer: >> W_Flyer_VVN_AchterMai1945

>> Mehr über den Tag der Befreiung erfahren Sie hier.


 

Frankfurter VVN gegen die Beseitigung des Mahnmals auf dem Hülya-Platz im Stadtteil Bockenheim

4. November 2013

In einem Schreiben an Oberbürgermeister Peter Feldmann wendet sich die VVN gegen die von der Stadtverwaltung beabsichtigte Beseitigung des Mahnmals  auf dem Hülya-Platz im Frankfurter Stadtteil Bockenheim.

 

Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:

Frankfurt am Main, am 1. November 2013

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

 

als Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten wenden wir uns mit Nachdruck gegen eine Beseitigung des Mahnmals auf dem Hülya-Platz in Frankfurt-Bockenheim.

 

Die Gründe, die laut Medienberichten von der Stadtverwaltung als Begründung für die Beseitigung des Mahnmals angeführt werden, können wir in keiner Weise nachvollziehen.

 

Eine Verletzung des Urheberrechts könnte wohl nur der scheinbar Verletzte geltend machen; der aber soll die Nachahmung seines Geschöpfes längst akzeptiert haben.

 

Ganz und gar unzutreffend ist die Behauptung, das öffentliche Zeigen des zur Figur gehörenden verbogenen Hakenkreuzes, das hier deutlich erkennbar zertrümmert werden soll, sei eine strafbare Verwendung eines verfassungswidrigen Symbols.

 

Der Bundesgerichtshof hat bereits 2007 festgestellt, dass auch in der Öffentlichkeit ein Hakenkreuz straflos verwendet werden kann, wenn es offenkundig und eindeutig die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus zum Ausdruck bringt. Genau das kann bei dem „Hammermann“  auf dem Hülya-Platz nicht bestritten werden.

 

Wir fordern deshalb die Stadtverwaltung auf, die Beseitigung dieses Mahnmals zu unterlassen. Vielmehr ist den Bürgerinnen und Bürgern zu danken,  die sich für ein solches mahnendes Gedenken einsetzen.

 

Orte und Mahnmale, die sowohl an die Opfer nazistischer und rassistischer Gewalt erinnern als auch dazu beitragen, Auffassungen und Ideologien entgegenzuwirken, die solche Gewalt befördern, haben wir keinesfalls zu viele, eher zu wenige.

 

Mit freundlichen Grüßen

gez.:  Peter C. Walther

im Auftrag des Sprecher/innen-Rates der VVN-BdA Frankfurt am Main