Lore Wolf

Lore Wolf (1900 bis 1996)

Lore Wolf

Als Lore Winkler am 11. März 1900 im unterfränkischen Sommershausen geboren, zog sie mit ihrer Familie 1906 nach Höchst bei Frankfurt. Der Vater war Weber, doch der Webstuhl konnte die Familie nicht mehr ernähren – der Vater fand Arbeit im Höchster Werk der IG Farben. Mit 15 Jahren organisierte Lore Wolf sich in der Gewerkschaft als sie während des 1. Weltkrieges in einer Munitionsfabrik arbeitete, später auch in der Naturfreundejugend; mit 19 Jahren wurde sie Mitglied der SAJ, der Sozialistischen Arbeiterjugend. Sie fand eine Anstellung als Stenotypistin in der Stadtverwaltung Frankfurt.
 
1923 heiratete sie Hans Wolf, 1925 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Hans Wolf war von Beruf Autosattler und die Familie wanderte nach dreijähriger Arbeitslosigkeit 1929 in die USA aus. Während der Weltwirtschaftskrise kehrten sie zurück und Hans Wolf erhielt einen Vertrag in einer Autofabrik in Nishni-Nowgorod in der Sowjetunion, wo die Familie von nun an lebte. Bei einem Urlaub in Deutschland, 1933, wurde die Rückreisegenehmigung verwehrt. Lore Wolf entschied sich, Mitglied der KPD und der Roten Hilfe zu werden und die illegale antifaschistische Arbeit zu unterstützen. Dies tat sie mehr als ein Jahr lang im „Reichsgebiet“, bis ihre Gruppe aufflog, danach auch im Saarland, in Lothringen, der Schweiz und in Paris. Mehr als sieben Jahre lang blieb sie illegal, bis sie am 28. August 1940 von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Paris verhaftet wurde. Ihre Arbeit war vielfältig – sie unterstütze Flüchtlinge und Teilnehmer der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg und schloss sich in Paris der französischen Widerstandsbewegung, der Resistance an.
 
In Paris lernte sie Anna Seghers anlässlich des „Internationalen Schriftstellerkongresses zur Verteidigung der Kultur“ kennen und die beiden Frauen aus Mainz und Frankfurt befreundeten sich. Lore Wolf half der damals bereits bekannten Anna Seghers viel und häufig – sie erzählte ihr, oft bis ins kleinste Detail, von illegalen Arbeitsweisen und Begebenheiten und den Reaktionen der Bevölkerung auf Widerstandsaktionen und beschrieb ihr bis hin zu Straßennamen die örtlichen Bedingungen in Höchst und Frankfurt. In dieser Zeit entstand das Buch „Das siebte Kreuz“, dessen Handlung nicht nur in Mainz sondern auch in Frankfurt spielt. „Jede Woche übergab sie (Seghers) mir ein Bündel eng vollgeschriebener Blätter. Tief bewegt und erschüttert erlebte ich das Geschehen in der Heimat, erlebte ich die Geburt dieses weltberühmt gewordenen Werkes mit“, schrieb Lore Wolf später. „Anna war sehr sparsam mit der Beantwortung meiner Fragen. Als ich sie … einmal fragte, wie das nun mit dem Roman weitergehe, sagte sie: ‚Du bist dumm, Lore, ich weiß es doch nicht, wie sich meine Personen entwickeln werden’“.
 
Lore Wolf wurde in Folge eines Verrats verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert, vom „Volksgerichtshof“ in Berlin am 18. Juni 1941 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Festnahme wollte man vor allem von ihr wissen, wo Anna Seghers sich befand – Lore Wolf verriet ihre Freundin nicht. Fünf Jahre verbrachte sie in Einzelhaft – die meiste Zeit im hessischen Ziegenhain, sie widerstand den Verhören, der Folter und der Isolation und blieb ihren Überzeugungen ihr Leben lang treu und mit ihrer Freundin Anna Seghers bis zu deren Tod eng verbunden.
 

1945 wurde sie aus der Haftanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel befreit und kehrte nach Frankfurt am Main zurück. Lore Wolf war stellvertretende Leiterin der Betreuungsstelle für politisch, rassisch und religiös Verfolgte des Naziregimes und Mitglied des beratenden Landesausschusses Großhessen.
Danach war sie mehrere Jahre in den Redaktionen der antifaschistischen Wochenzeitung „die tat“ und der „Deutschen Volkszeitung“ tätig. Bis zu ihrer Pensionierung war sie Angestellte der Stadtverwaltung Frankfurt am Main.
 
Lore Wolf schrieb das autobiographische Buch „Ein Leben ist viel zu wenig“ (Röderberg-Verlag, Frankfurt 1974). 1983 Herausgabe ihrer Tagebuchblätter aus dem Zuchthaus Ziegenhain: „Ich habe das Leben lieb“ (Weltkreisverlag, Dortmund).
 
Lore Wolf starb am 4. August 1996 in Frankfurt am Main.
 
Quelle: http://www.widerstand-portrait.de/portraits/lore-wolf.html und http://www.dkp-frankfurt.de/rote_frankfurter/lore_wolf.html