Hans Mayer

Hans Mayer (1907 – 2001)

 
Hans Mayer, am 19. März 1907 geboren, stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Köln. Schon in seiner Jugend wurde er von den frühen Schriften Karl Marx’ und von den Arbeiten Georg Lukács’ beeinflusst. Er verstand sich als Sozialist und Marxist.
 
Als Jurastudent schloss er sich der SPD an und arbeitete an der Zeitschrift „Der Rote Kämpfer“ mit. Ende 1931 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der SAPD, aus der er ein Jahr später wegen seiner Sympathie zur KPD-Opposition wieder ausgeschlossen wurde. Da er Jude und Marxist war, erhielt er im Juli 1933 Berufsverbot. Hans Mayer floh im August 1933 nach Frankreich. Im Elsass arbeitete er für die kommunistische Neue Welt. 1934 übersiedelte er nach Genf, wo er für Hans Kelsen und Max Horkheimer arbeitete. Als es nach Stalingrad für Exilsuchende in der Schweiz wieder möglich wurde, auch politisch öffentlich aufzutreten, beteiligte sich Hans Mayer am Aufbau der Bewegung Freies Deutschland und gründete die Zeitschrift Über die Grenzen – von Flüchtlingen für Flüchtlinge –.
 
Seine Eltern wurden im KZ Auschwitz ermordet.
Nach Kriegsende kehrte Hans Mayer 1945 nach Deutschland zurück. Die US-amerikanische Verwaltung ernannte ihn zum Kulturredakteur der dpa-Vorgängerin Deutsche Nachrichten-Agentur (DENA) und später zum politischen Chefredakteur von Radio Frankfurt. Er war Mitbegründer der VVN Hessen und bis 1949 deren Vorsitzender. Für die gesamtdeutsche VVN nahm er am Kongress der Fédération Internationale des Anciens Prisonniers Politiques FIAPP (Internationaler Verband ehemaliger politischer Gefangenen) in Warschau teil. 1948 folgte er einer Berufung als Professor für Literaturwissenschaft an die Universität Leipzig. Er wurde zu einem einflussreichen Kritiker der neueren deutschen Literatur. In der DDR wirkte er insbesondere durch seine Vorlesungen und Gesprächskreise, in Westdeutschland wurde er zu einem gern gesehenen Gast bei den Tagungen der Gruppe 47. Hans Mayer stand in dieser Zeit auch mit Bertolt Brecht in Kontakt.
 
Ab 1956 führten ideologische Auseinandersetzungen dazu, dass seine akademische Tätigkeit zunehmend behindert wurde. Ende der 50er Jahre wechselte er in die BRD. Dort war er zuerst als Literaturkritiker tätig. 1965 erhielt er einen neu eingerichteten Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Technischen Hochschule Hannover. Diesen hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1973 inne. Zwischen 1964 und 1967 moderierte er zusammen mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Rundfunk- und teilweise auch Fernsehsendung Das literarische Kaffeehaus. Danach lebte Hans Mayer als Honorarprofessor in Tübingen. Dort erneuerte er seine Kontakte zur VVN-BdA.
 
Er starb am 19. Mai 2001 in Tübingen. Sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.
 
Quellen: Ulrich Schneider, privat, Kassel, 2007;. In: Wikipedia, Seite „Hans Mayer (Literaturwissenschaftler)“, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand:
4. Januar 2017