Emil Carlebach

Emil Carlebach (1914 – 2001)ec_0002_ecarleb2

Am 10. Juli 1914 wurde Emil Carlebach in Frankfurt am Main in einer bürgerlichen, jüdischen Familie geboren. Er besuchte die Samson-Raphael-Hirsch-Realschule und später die Klinger-Oberrealschule. Hier absolvierte er das Abitur und begann im Mai 1932 eine Lehre in einer Frankfurter Ledergroßhandlung. Am gleichen Tag trat er in den Zentralverband der Angestellten (ZdA) ein, noch 1931 war er Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) geworden. Sein Vater, Moritz Carlebach (1879 – 1939), war ein selbstständiger Kaufmann und zeigte sich erbost über die Entscheidungen seines Sohnes. Er ließ diesen wissen: wenn ein Lehrling in seinem Geschäft in die Gewerkschaft einträte, würde er ihn am gleichen Tag entlassen.

Als politisch prägendes Erlebnis beschrieb Emil Carlebach den Justizmord an den amerikanischen Arbeitern Nicola Sacco und Bertolomeo Vanzetti in Charlestown, USA. Nach dem umstrittenen Gerichtsurteil gegen die beiden politisch aktiven Arbeiter und Streikführer wegen der angeblichen Beteiligung an einem Raubmord gab es auf weltweit Massendemonstrationen gegen die geplante Hinrichtung. Emil Carlebach wurde Zeuge einer solchen Versammlung in Frankfurt, die gegen die, für den 23. August 1927 geplante Hinrichtung protestierte. .

Schon vor der Machtübertragung an Adolf Hitler und die NSDAP war Emil Carlebach mit seiner Gewerkschaftsjugendgruppe, dem KJVD und der KPD in Frankfurt antifaschistisch aktiv. Er gehörte zu denjenigen Gewerkschaftern, die der vorherrschenden Haltung, den drohenden Faschismus zu bagatellisieren, entgegentraten. Neben vielen anderen Aktivitäten sprach er z.B. auch auf einer Versammlung der Hitler-Jugend (HJ). Es war verabredet, dass jeweils ein Redner der HJ und einer des KJVD über die jeweiligen politischen Ziele und Absichten sprechen sollte. An die Order der HJ, der Redner der Kommunisten dürfe kein Jude sein, hielten die jungen Kommunisten sich nicht. Es war Emil Carlebach, damals unter dem Namen “Norbert” bekannt, der sprach und in seiner Rede die soziale Demagogie der Nazipropaganda entlarvte. Er hatte mit seinem Plädoyer soviel Wirkung erzielt, dass die HJ ihren Gruppen solcherlei Debatten verbot. Als Adolf Hitler am 1. Mai 1933 vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsverband als Reichskanzler eingeladen worden war, auf einer Berliner Kundgebung der Gewerkschaft zu sprechen, war Emil Carlebach mit seiner Gruppe in Frankfurt so gut organisiert, dass er im Radio die Hitlerrede anhörte und währenddessen ein Flugblatt dazu verfasste, in dem er die Pläne Hitlers zur Zerschlagung des politischen Widerstandes im Lande benannte. Das Flugblatt wurde am Nachmittag abgetippt, von der kleinen Gewerkschaftsgruppe vervielfältigt und noch in der gleichen Nacht in die Briefkästen verteilt. .

Am 11. Januar 1934 wurde Emil Carlebach wegen der Herstellung und Verbreitung antifaschistischer Zeitungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der regulären Haft in verschiedenen Gefängnissen wurde er 1937 in das Konzentrationslager Dachau verbracht und war ab 1938 bis zur Selbstbefreiung des KZ in Buchenwald inhaftiert. Unter den Bedingungen der Haft setzte er den Widerstand fort und war “Blockältester” in einer Baracke mit jüdischen Häftlingen. In der internationalen illegalen Widerstandsorganisation des Konzentrationslagers arbeitete er in verantwortlichen Positionen. Er gehörte zu den Häftlingen, die das Signal zum Aufstand am 4./5. April 1945 gaben und das Lager mit den befreiten Gefangenen und festgenommenen SS-Wachleuten am 11. April 1945 den heran rückenden amerikanischen Einheiten übergaben. Der Schwur der befreiten Häftlinge des KZ Buchenwald blieb Emil Carlebachs Lebensmaxime. Darin heißt es u.a.: “Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.” .

Emil Carlebach blieb mit der Erfahrung von elf Jahren faschistischer Haft überzeugter und aktiver Antifaschist. Als solcher wurde er zum 1. August 1945 von den alliierten Behörden in der US-amerikanischen Besatzungszone zu einem der sieben Lizenzträger und zu einem der Chefredakteure der neu gegründeten “Frankfurter Rundschau” berufen. Er war Stadtverordneter der KPD in Frankfurt, Abgeordneter des hessischen Landtages und beteiligt an der Schaffung der Landesverfassung. Mit Beginn des kalten Krieges wurde Emil Carlebach – wiederum auf Weisung der US-Behörden – bereits 1947 aus der Leitung der “Frankfurter Rundschau” entfernt. Er arbeitete weiterhin als Journalist, war Mitbegründer der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und viele Jahre lang Vizepräsident des Internationalen Buchenwaldkomitees. Er veröffentlichte 8 Buchtitel, die sich vor allem mit den Wurzeln und den historisch wirksamen Auswirkungen des deutschen Faschismus beschäftigten. Er war darüber hinaus vielfach publizistisch aktiv, unter anderem als Chefredakteur der VVN-Wochenzeitung “Die Tat”. Nach dem Verbot der KPD (1956) lebte Emil Carlebach mehr als zehn Jahre in der DDR um der drohenden Verfolgung und erneuten Inhaftierung in der BRD zu entgehen. Hier arbeitete er für den “Deutschen Freiheitssender 904″ der KPD. 1969 kehrte er nach Frankfurt am Main zurück und war in verschiedenen Funktionen in der VVN-BdA, der DKP und der Deutschen Journalisten-Union (dju) tätig.

Emil Carlebach starb am 9. April 2001 in Frankfurt am Main. .


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