Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Landesvereinigung Hessen

26.01.2010
Ulrich Schneider

Eine hessische Gedenkstätte wird 25 Jahre - Gedenkstätte Breitenau

Am 14. November 2009 feierte die Gedenkstätte Breitenau im nordhessischen Guxhagen ihr 25-jähriges Bestehen in Anwesenheit von politischer Prominenz aus Hessen und Nordhessen, gesellschaftlichen Vertretern und zahlreichen Freunden und Kolleginnen und Kollegen, die die Arbeit der Gedenkstätte in den vergangenen Jahrzehnten begleitet haben. Es fehlten jedoch die Überlebenden des Lagers, die - soweit sie noch leben - aufgrund ihres hohen Alters nur noch schwerlich die Fahrten auf sich nehmen können.

Breitenau war eines der ersten Konzentrationslager im preußischen Hessen-Nassau, in dem seit dem Frühjahr 1933 politische Gegner des NS-Regimes, Widerstandskämpfer und Funktionäre der Arbeiterorganisationen eingekerkert waren. Nach der Auflösung des Lagers 1934 wurde die Einrichtung seit 1940 erneut als Deportationssammelstelle für die Überführung in das KZ Buchenwald und andere zentrale Lager sowie als „Arbeitserziehungslagers“ genutzt, in das insbesondere ausländische Zwangsarbeiter überführt wurden, die den Vorgaben der faschistischen Kriegswirtschaft nicht genügten oder gegen die von den Nazis aufgestellten Verhaltensregeln verstießen. In den letzten Tagen vor der Befreiung vom Faschismus wurden nahe des KZ noch 28 Häftlinge von einem Kasseler Gestapo-Kommando ermordet.

Alle diese Tatsachen und Zusammenhänge waren in der öffentlichen Erinnerung Nordhessens viele Jahre verdrängt worden. Erste schriftliche Zeugnis lieferte Willi Belz in seiner Monographie „Die Standhaften“, in der er den Häftlingen des frühen Konzentrationslagers ein literarisches Denkmal setzte. Anfang der 80er Jahre begannen Wissenschaftler und Studierende der Gesamthochschule Kassel mit Forschungen zur Geschichte des KZ und förderten neue Informationen und Dokumente zu Tage, wie z.B. das vollständige Häftlingsverzeichnis von Breitenau. Dies unterstützte die öffentliche Debatte in Kassel und Guxhagen, an diesem Ort eine Gedenkstätte einzurichten. Damals lebten noch zahlreiche Zeitzeugen, wie Willi Belz oder Georg Merle, die aus eigenem Erleben Informationen über die Realität des Lagers und den Umgang mit der Lagergeschichte beisteuern konnten. Ihnen, den Zeitzeugen und den Wissenschaftlern gemeinsam, war es zu verdanken, dass der Impuls, in Breitenau eine Gedenkstätte zu errichten, im Jahre 1984 von Erfolg gekrönt war.

Träger der Einrichtung war und ist die Universität Gesamthochschule Kassel. Die damalige hessische Landesregierung unterstützte das Projekt über die Landeszentrale für politische Bildung, später stellte das Kultusministerium zusätzlich Lehrerstunden für die pädagogische Begleitung von Schulklassen zur Verfügung, der Landeswohlfahrtsverband, der Besitzer der Immobilie, begann die Rolle der eigenen Vorläufereinrichtung mit der nötigen kritischen Distanz zu sehen und eine breite öffentliche Debatte führte in Guxhagen selber zum Aufbrechen des spürbaren Widerstands in Teilen der Bevölkerung. Dazu hat besonders die Arbeit des Fördervereins, in dem kommunalpolitische Repräsentanten, gesellschaftliche Einrichtungen, Kirchen und andere Gruppierungen eingebunden wurden, beigetragen.

Die VVN-BdA unterstützte und begleitete von Anfang an den Prozess der Errichtung der Gedenkstätten. Der Landesverband Hessen ist Mitglied im Förderverein der Gedenkstätte. Dabei hat es in den vergangenen Jahren durchaus auch kritische Anmerkungen gegeben, beispielsweise bei der künstlerischen Umgestaltung des Gedenkortes. Jedoch konnten die praktischen Ergebnisse, einschließlich der intensiven Forschungen zum Schicksal einzelner Häftlingsgruppen, immer wieder überzeugend dokumentieren, welch große Bedeutung diese Einrichtung für die regionale antifaschistische Geschichts- und Erinnerungsarbeit besitzt. Besonders hervorzuheben sind die pädagogischen Konzepte für Schulklassen und anderen Jugendgruppen sowie Veranstaltungen, die sich mit dem aktuellen Stand der Forschung zum deutschen Faschismus beschäftigen. Es ist der Gedenkstätte Breitenau zu wünschen, dass die nächsten Jahre der Arbeit nicht durch die dauernden Sorgen um die Finanzierung der Einrichtung und des notwendigen Personals belastet sind. Die Signale aus der Politik anlässlich des Jubiläums klangen dazu jedoch gut - hoffentlich folgen auch entsprechende Taten.

© VVN-BdA Hessen